2017 Wohnmobiltour nach Kroatien

Erst in Lesce/Slowenien verspürte ich so etwas wie Urlaubsstimmung. Vorausgegangen waren eine Reihe von Problemen und eine nervige Fahrerei.

Es fing mal wieder gut an. Ich vergaß die Bananen und die Tomaten, die ich mir bereitgelegt hatte. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass nach 3 Wochen das Obst nicht mehr ganz so gut aussehen würde und es hätten sich dazu noch neue Mitbewohner in meiner Wohnung eingefunden. Diese Vergesslichkeit sollte mich noch ein Weilchen beschäftigen.

Gleich beim Losfahren machte sich mein Fahrradträger selbständig und unliebsame Bekanntschaft mit der Straße. Ich hatte ihn nicht richtig befestigt. Das Bremslicht auf der rechten Seite des Fahrradträgers war im Eimer.

Als ich in Königstein dabei war, die Chemietoilette auszuleeren, rief die Firma an. Vor lauter Schreck ging ein Teil der Brühe daneben und auch über meine Sandale. Die Kollegen konnten ein Passwort nicht entziffern.

Die beiden Knöpfe am Gasherd standen in der kleinsten Stellung, was wahrscheinlich bei der letzten Hauptuntersuchung passiert sein muss, denn ich habe sie bestimmt nicht in dieser Stellung gelassen. Ich stellte das daran fest, dass nach Zurückdrehen des Knopfes in die falsche Anfangsstellung, der Kochtopf auf einmal ganz warm wurde. Das daneben liegende Geschirrhandtuch war auch schon ein bisschen angesengt.

Aber sonst lief alles prima. In Königstein im Elbtal wollte ich die Telefonnummer von meinem Nachbarn über das Internet rauskriegen. Ich hatte ihm zum ersten Mal meinen Wohnungsschlüssel anvertraut. Er hatte meine Nummer, aber ich hatte seine nicht. Keine Chance. Es gab kein öffentliches Internet in Königstein, was diesen Namen verdiente. Am Haus des Gastes sollte es dem Vernehmen nach WLan geben. Die Betonung liegt auf sollte. Eine Café-Besitzerin erzählte, dass sie zu Schadenersatz verurteilt wurde, weil Kunden über ihr WLan Filme heruntergeladen hatten. „Nie wieder“, sagte sie. So etwas kann nur passieren, weil es Privateigentum an Produktionsmitteln bzw. an Produkten (in diesem Fall Filme) gibt. Die Filme werden zwar gemeinschaftlich hergestellt, aber das Produkt, bzw. die Rechte daran, und die damit gemachten Profite, gehören einigen Wenigen. Und diese paar Menschen wehren sich mit aller Kraft dagegen, dass ihre Profite geschmälert werden. Der eilfertige Staat kommt ihnen zu Hilfe und verurteilt diejenigen, die ein bisschen Fortschritt ins Land bringen wollen und andere dabei unterstützen, Internet nutzen zu können. D.h. der Fortschritt muss gegen das Privateigentum erkämpft werden, wie es jetzt mit der Änderung der sog. Störerhaftung passiert ist.

Der Ort Königstein liegt zu Füßen der gewaltigen Festung gleichen Namens. 1233 wurde eine Burg auf dem Königstein in einer Urkunde von König Wenzel I. von Böhmen zum ersten Mal erwähnt. 1563 bis 1569 wurde innerhalb der Burg ein 152,5 Meter tiefer Brunnen in den Fels hinein geschlagen. Von 1722 bis 1725 bauten Böttcher und Küfer im Keller der Magdalenenburg das riesige Königsteiner Weinfass mit einem Fassungsvermögen von 249.838 Litern. Bis 1922 diente die Burg als Staatsgefängnis. Hier wurden z.B. eingekerkert:

  • Der Kanzler des Kurfürsten Christian I. von Sachsen Nikolaus Krell. Der wollte nämlich den habsburgischen Einfluss als auch den Einfluss der Lutherischen Orthodoxie zurückdrängen. Das gefiel aber dem Adel und den orthodoxen Lutherianern überhaupt nicht. Also wurde er nach dem Tod des Kurfürsten unter dem Vorwurf des Kryptocalvinismus vor den Richter gezerrt und zum Tod durch das Schwert verurteilt. So ging man im Jahre 1601 in Deutschland mit politischen und religiösen Gegnern um. Das ist gerade mal 400 Jahre her.

  • Der russische Anarchist Michail Alexandrowitsch Bakunin war hier 1849 für ca. ein Jahr nach dem fehlgeschlagenen Aufstand in Dresden für die Durchsetzung einer sächsischen Republik, dessen militärischer Leiter er war, inhaftiert.

  • Der Schriftsteller Frank Wedekind wurde hier 1899 wegen eines satirischen Gedichts über Kaiser Wilhelms II. Palästinareise, das eine Majestätsbeleidigung gewesen sein sollte, in Festungshaft genommen.

Am nächsten Tag habe ich es noch einmal in Bad Schandau mit dem Internet versucht. Hier stellte man mir im Haus des Gastes eine funktionierende Verbindung zur Verfügung. Aber mein Nachbar stand gar nicht im Telefonbuch. So beauftragte ich die Frau eines nahe wohnenden Freundes, bei ihm zu klingeln und Bescheid zu sagen, dass er sich doch bitte das Obst aus meiner Wohnung holen möchte. Irgendwann rief dann sein Sohn an, dass das geklappt hätte. Nur mit meiner Alarmanlage hätte es Probleme gegeben, so dass es für kurze Zeit sehr laut im Haus war.

Das Erste, was ich an der tschechischen Grenze machen durfte, war 310 Kronen (12,34 €) für eine 10-Tages-Vignette zu zahlen. Ca. 50 km vor Prag gab es Vollsperrung. Es musste einen Super-Crash gegeben haben. Rien ne vas plus – nichts ging mehr. Der Verkehr wurde von der Autobahn heruntergeleitet. Die parallel verlaufende Nebenstraße war natürlich auch dicht. Stau mit sekundenlanger Bewegungsdauer. Irgendwann fuhren dann auf der Autobahn wieder Autos. Also habe ich dasselbe gemacht, wie einige andere auch. Gewendet, die Strecke bis zur Auffahrt wieder zurück und rauf auf die Autobahn. Zuerst lief alles gut. Aber irgendwann kam die Baustelle. Einspurig. Wieder Stau, stop und go. Vor Prag ging es dann weiter mit stop und go. Rechts die LKW’s, lückenlos, eine endlose Schlange von Horizont zu Horizont. Der Kapitalismus hat ja außer vielen anderen negativen Eigenschaften auch noch die der Planlosigkeit. Da jeder nur sein eigenes Süppchen kocht, wird auch so gewirtschaftet. Da ist gesamtgesellschaftlich gesehen nichts ökonomisch oder ökologisch. Die Staaten haben ja auch kein Interesse daran, den Warenverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlegen, weil sie sie damit eine wichtige Einnahmequelle verlieren würden. Früher nannte man es Wegezoll, heute heißt es Maut. Beides ist eine harmlose Umschreibung für staatliche Wegelagerei.

Eigentlich wollte ich bis Budjovice. Aber das hatte sich dann erledigt. Ich war auch erledigt. Und so steuerte ich den nächsten Campingplatz hinter Prag an, das Camp Matyas in Vrané n. Vltavou. Ich war angenehm überrascht: Familienbetrieb. Mit 10,75 € angenehm preiswert. Das Ehepaar managte die Rezeption und betrieb auch selbst das Restaurant. Das Essen war hervorragend. Der Platz selbst bestand aus überwiegend offenem Gelände und es gab genügend Platz für Neuankömmlinge. Durch die überschaubare Anzahl von Campern grüsste man sich untereinander und immer wieder nahm man sich Zeit für ein Schwätzchen. Auf den riesigen Campingplätzen in Slowenien und Kroatien war das nicht mehr so. Auf diesen Plätzen blieb man weitgehend anonym, wie in Großstädten auch.

Die Temperaturen waren noch angenehm, was sich später ändern sollte.

Gleich bei der Ankunft bekam ich Kontakt mit einem holländischen Ehepaar aus Enschede. Er war früher bei der Luftwaffe und hatte einige Bücher über seinen Arbeitsbereich geschrieben. Außerdem bezeichneten sie sich als kritische Katholiken. Sie machten einen Unterschied zwischen der Institution Kirche und dem Glauben. Eigentlich dürfte es die Instution Kirche gar nicht mehr geben bei so vielen kritischen Christen. Aber als Konsequenz die Kirche abzuschaffen, möchten die Kritiker dann wohl doch nicht. Es war ein ganz gemütliches Beisammensein.

Trotz allem Positiven bin ich am nächsten Tag weiter gefahren. Es war Sonntag. Die Straßen waren schön leer. Da ich aber von langer Fahrerei die Schnauze voll hatte, habe ich zwischendurch in Österreich Rast gemacht, und zwar in Pettenbach. Das Beste war das Schwimmbecken. Anschließend wollte ich mal kurz über die bordeigene Solaranlage das Notebook aufladen. Es lud und lud, aber nach Stunden war das Notebook immer noch nicht betriebsbereit. Merde. Dazu kam, dass sich nicht weit von mir ein Pärchen aus Hagen mit Wohnmobil aufbaute, wobei sie die meiste Zeit telefonierte. Die etwas nervige Stimme schallte weit über den Platz. Dazu paffte sie eine Zigarette nach der anderen. Außerdem beackerte ein Bauer mit schwerem Gerät seine Felder in unmittelbarer Nachbarschaft bis in den Abend hinein. Also nichts wie weg.

Es ist ja bekannt, dass Österreich seine Autobahnvignette (das Pickerl) hat. 9,80 € für 10 Tage. Aber das genügt dem österreichischen Staat nicht. Denn immer wieder kommen noch extra Gebühren dazu, auf meiner Strecke für den Katschbergtunnel (11,50 €) und für den Krawankentunnel (7,20 €). Nun will ja der österreichische Staat den deutschen Staat wegen der deutschen Maut verklagen. D.h. der eine Abzocker beschwert sich über die Abzockerei des anderen Abzockers. Diese Spiegelfechterei soll nur darüber hinweg täuschen, dass sich die Staaten beim Abzocken der großen Masse immer einig sind. Es wird Zeit, dass sich die Menschen aller Länder genau so wie die Staaten einig werden, und zwar gegen die Abzockerei.

Ab jetzt bin ich nur noch kleine Etappen gefahren. Also habe ich im Norden von Slowenien, auf dem Campingplatz Sobec in Lesce, Station gemacht. Müßig zu sagen, dass auch Slowenien seine Autobahnvignette in Höhe von 15 € hat. Der Campingplatz ist sehr schön zwischen einem Fluss und einem kleinen Badesee gelegen. Alles ist gut durchorganisiert. Man könnte fast sagen, besser als in Deutschland. Der Preis für eine Übernachtung für eine Person und ein Wohnmobil 12,44 €. Die Preise für Essen sind aber vergleichbar mit Deutschland. Kaffee und Kuchen 4,80 €.

Es war ziemlich heiß geworden. Also erst mal eine Runde schwimmen. Das Wasser war noch ziemlich frisch. Und dann fiel mir ein, dem Ort einen Besuch abzustatten. Fünf Minuten Fussweg sollten es sein. Tja, es ging aber die meiste Zeit nur steil bergan. An so etwas war ich als alter Radfahrer gar nicht mehr gewöhnt. Und dann noch die Hitze. So kam ich völlig fertig und durchgeschwitzt in Lesce an. Der Ort war so gut wie tot. Und dann fiel mir ein, dass Sonntag war. Und so besonders interessant war Lesce auch wieder nicht. Also die ganze Plackerei völlig umsonst. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich an diesem Tag duschen gegangen bin.

Neben mir stand natürlich wieder ein holländisches Ehepaar. Es ist schon fantastisch, wieviel Leute aus diesem kleinen Land im Sommer mit Wohnmobil unterwegs sind.

Nicht weit von Lesce entfernt liegt der einzige slowenische Nationalpark Triglav. Hier lebte der Sage nach der wilde weiße Gamsbock Zlatorog mit goldenen Hörnern. Der hatte hoch oben am Berg Triglav einen Garten und war zugleich Hüter eines verborgenen Schatzes. Ein habgieriger Jäger schlich sich an Zlatorog an und erschoss ihn. Aus dem Blut des getöteten Gamsbocks wuchs aber auf der Stelle eine Wunderblume, die Zlatorog das Leben zurückgab. Zlatorog tötete den Jäger, zerstörte den Gebirgsgarten und verschwand.

Am nächsten Tag war ich zunächst unschlüssig, ob ich bleiben sollte oder nicht. Aber irgendetwas trieb mich weiter. Ich wollte schließlich nach Kroatien. Also wieder eine kleinere Strecke in den Süden von Slowenien an die Adria unter die Räder genommen. Der Campingplatz Adria in Ankaran war wie vorher in Lesce gut organisiert. Er ist riesig, genau wie das dazugehörige Schwimmbad mit einer 50 m-Bahn und sogar abgetrennten Bahnen. Aber mit Salzwasser und ohne Schwimmbrille tut das nicht so gut. Also erst mal nur 100 m. Ich wollte später wieder kommen, mit Schwimmbrille. Es war wieder sehr heiß. Eine gewisse Energielosigkeit überkam mich. Das Notebook lud schon den ganzen Tag. Am späten Nachmittag war es dann einsatzbereit und ich konnte ein paar Sätze schreiben.

Zwischendurch habe ich versucht zu lesen: Die Hoffnung von André Malraux über den Kampf gegen die Franco-Faschisten im spanischen Bürgerkrieg. Sehr lesenswert. Wortgewaltig und in kraftvollen Bildern schildert er den selbstlosen Kampf der Republikaner, unterstützt von Freiwilligen aus der ganzen Welt, gegen die mörderischen Fachisten und ihre maurischen Hilfstruppen, gegen deutsche und italienische Tanks und Flugzeuge. Flächendeckende Bombardements mit Bomben und Brandbomben auf spanische Städte, auf die ärmeren Viertel. Die Viertel der Reichen wurden ausgespart. Schon allein das beweist, dass die Faschisten mit der Nation nichts im Sinn haben, wie sie es gern vorgeben, sondern nur den Besitz und die Vorrechte der reichen Oberschicht verteidigen. Das Markenzeichen der Faschisten ist der Terror. Das gilt immer und überall, wo Faschisten auftreten, auch für den Islamischen Staat, denn das sind nichts anderes als religiös verbrämte Faschisten.

Als ich mich dann endlich wieder in Richtung Schwimmbad aufgerafft hatte, war es so voll, dass an das Durchziehen von einigen Bahnen nicht zu denken war. Und als ich das nächste Mal vorbei kam, war es geschlossen.

Am fünften Tag nach meiner Abfahrt passierte ich die kroatische Grenze. Das Erste, was auf mich zukam, war die Autobahngebühr. Und die ist nicht von schlechten Eltern. Ich bin in Kroatien 472 Autobahnkilometer gefahren und habe dafür 368 Kuna (50 €) bezahlt. Das sind 1,06 € pro 10 km Autobahn für meinen Camper in der Preisklasse II.

Zuerst war es nur ein Katzensprung zur Halbinsel Istrien auf den Campingplatz Amarin 7 km vor Rovinj. Wieder so ein seelenloser anonymer Großcampingplatz, an einen Hotelkomplex angeschlossen, für 20 € pro Nacht.

Mein Platz war ganz nahe bei den Sanitärräumen und da war ein ziemliches Kommen und Gehen mit den dazugehörigen Geräuschen. Ein Nickerchen am Nachmittag war so nicht drin. Also fiel es mir am nächsten Tag nicht schwer, den Platz zu verlassen, zumal es jetzt nicht nur heiß war, sondern auch schwül. Ich dachte mir in meinem Sinn, dass ich meinen Camper dicht vor Rovinj hinstellen könnte, um der Stadt einen Kurzbesuch abzustatten. Aber denkste. Caravans sind unerwünscht. Überall standen Parkverbotsschilder. Na, wenn man hier keine Wohnmobile haben will, dann eben nicht.

Auf dem Weg nach Pula machte ich in einem kleinen Ort Halt. Ich hatte ein Café entdeckt, vor dem Männer saßen. Rauf auf den nächsten Parkplatz, gebührenpflichtig, auch in diesem kleinen Nest. Kaum war ich ausgestiegen, stand schon ein Polizist mit Fahrrad vor meinem Auto und tippte mein Kennzeichen in sein Gerät. Er sprach sogar deutsch. 5 Kuna würde eine Stunde kosten. Der Automat war ganz weit weg und Münzen hatte ich auch nicht. Also erst mal bei der Zeitungsfrau Geld gewechselt. Die sprach auch deutsch. 5 Kuna in den Apparat geschmissen, aber es ging nicht weiter. Da stand der Polizist schon wieder neben mir und meinte, dass ich mein Kennzeichen eingeben müsste. Wunderbarerweise wusste er das sogar besser als ich. Danach funktionierte es.

Die Männer vor dem Café freundlich gegrüßt. Aber im Café selbst war niemand. Den Männern vor dem Café Bescheid gesagt, wieder konnte einer deutsch. Der rief nach der Bedienung, aber nichts tat sich. Also habe ich mir erst mal ein Stück Strudla gekauft. Der Strudel hat sich ganz schön weit verbreitet auf der Welt. In Polen wird er auch genau so geschrieben wie im Deutschen. Der deutschsprechende Kroate kam sogar in den Laden und sagte, dass die Bedienung jetzt da sei. So lag jetzt also nichts mehr zwischen einem Espresso und mir. An den Tisch mit meiner neuen Bekanntschaft saß noch der Besitzer eines größeren Olivenfeldes und eines Lavendelfeldes. Und da müsste er heute noch bei der Schwüle arbeiten. Beneidet habe ich ihn nicht.

Pula erschien mir auf den ersten Blick interessant. Also steuerte ich den Campingplatz Stoja an, verlor dort ein Glas meiner Brille an die Mülltonne, und fuhr mit dem Fahrrad in die Stadt. Der Platz hat mich immerhin stolze 27 € gekostet.

Pula hat eine lange, wechselvolle Geschichte. Wegen seiner günstigen geografischen Lage auf der Halbinsel Istrien war es heißbegehrt. Besiedelt wurde es durch den illyrischen Stamm der Histri. Es wurde von den Römern erobert, die dort u.a. das Amphitheater und den Tempel der Roma und des Augustus hinterließen. Dann kamen die Ostgoten, das oströmische Reich Byzanz, die Republik Venedig und die Görzer Grafen. Österreich baute Pula ab 1856 zum Hauptkriegshafen aus. Nachdem sich 1918 der neue südslawische Staat Jugoslawien gebildet hatte, übergab Österreich seine Kriegsflotte an die Südslawen. Das Flaggschiff der Flotte, das Schlachtschiff SMS „Viribus Unitis“, das nunmehr „Jugoslavia“ hieß, wurde am 1. November 1918 von italienischen Kampfschwimmern versenkt. Am 3. November 1918 wurde Istrien von italienischen Truppen besetzt. 1947 schlug der Pariser Friedensvertrag Pula der jugoslawischen Teilrepublik Kroatien zu.

Abends frischte der Wind auf. Es fing an zu tröpfeln und dann kam der Regen und das Gewitter. Endlich wurde es kühler. Es hielt aber nicht lange vor. Am Meer war es noch frisch. Im Landesinneren herrschte am nächsten Tag eine wahnsinnige Schwüle, dass man nur einmal schwitzte und das war immer. Ich schlug mich bis nach Selce durch. In Crikvenica habe ich eine sehr gute Putenkeule für 35 Kuna gegessen. Insgesamt habe ich 51 Kuna bezahlt, das sind 7 €. Kroatien kann auch billig sein, aber nicht in den Touristengegenden.

Der Campingplatz in Selce fällt terassenartig bis fast ans Meer. Viele Plätze sind aber unbeschattet und einige auch ziemlich eng. Fast hätte ich mir beim Rangieren den Fahrradträger kaputt rangiert. Verdächtig geknirscht hat es schon. Aber ein Franzose war so freundlich, und half mir, wieder flott zu kommen. Das führte dann gleich dazu, dass ich meine Französischkenntnisse und er seine Deutschkenntnisse wieder auffrischen konnte. Das Ehepaar kam aus der Gegend von Poitiers. Um aber möglichst viel Schatten abzubekommen bei dieser unbarmherzigen Schwüle, fuhr ich den Caravan mit Super-hochdach unter dicht stehende Bäume. Er nahm zwar einige Äste mit, aber die Markise passte haarscharf noch unter einen stämmigen Ast.

Erst mal rein ins Salzwasser. Das hat richtig gezischt beim Eintauchen. Nachmittags habe ich mir Selce angeschaut. Ist auch ein richtiger Touristenort. Es lebt von seiner Lage am Meer. An einer Stelle lagen die Badenden so dicht wie auf Mallorca.

An der Rezeption überraschte ich die Leute mit der Frage, ob die Daten der Personalausweise, die man bis zur Abreise abgeben muss, weiter gemeldet werden. Das wurde bejaht. Es war nicht herauszubekommen, an welche Behörde die Daten weiter gegeben werden. Der eine meinte, an das Tourismus-Büro, die andere meinte, an die Polizei. Es hatte sich somit bewahrheitet, was ich geahnt hatte. Kroatien ist still und heimlich zu einem richtigen Überwachungsstaat geworden. Auf dem Parkplatz wird das Kfz-Kennzeichen erfasst und auf dem Campingplatz werden die Daten weiter gegeben.

Am nächsten Tag kam ich nicht so richtig aus den Puschen. Die Franzosen waren schon lange weg auf dem Weg nach Split, als ich mich aus dem Blätterdickicht wieder herausschälte. Ein Bekannter hatte mir Zadar empfohlen. Das wäre sehr schön. Den Campingplatz hat er gleich dazu gesagt. Aber der lag kilometerweit von Zadar entfernt, mit steilen Anstiegen. Dazu hatte ich bei der Hitze überhaupt keinen Bock. Also ergatterte ich mir einen freien Parkplatz am Hafen und schaute mir die gleich daneben liegende Altstadt an. Ein paar alte Steine lagen lieblos in der Gegend herum. So richtig vom Hocker hat mich das nicht gerissen.

Zadar hatte auch ständig wechselnde Herrscher, genau wie Pula, teilweise dieselben. Zwischen dem 12. und dem 18. Jahrhundert wechselten sich kroatisch-ungarische Herrscher und die Republik Venedig ab. Mal siegten die einen, mal die anderen. Ladislaus von Neapel, der Anspruch auf die ungarische Krone erhob, verkaufte sogar im Jahre 1409 Zadar und seine Rechte auf Dalmatien für 100.000 Dukaten an Venedig. Nach dem Fall Venedigs 1797 übernahm Österreich die Vorherrschaft. 1920 fiel Zadar durch den Grenzvertrag von Rapallo an Italien. Das faschistische Italien versuchte dann mit Terror, die Bevölkerung zu italienisieren. Das hatte zur Folge, dass jugoslawische Partisanen Rache nahmen und Verbrechen an der italienischen Bevölkerung begingen. Sie warfen ihre Opfer oftmals bei lebendigem Leib in schwer zugängliche Karsthöhlen (Foiben). Die größtenteils italienischsprachige Bevölkerung verließ daraufhin fast vollständig die Stadt Richtung Italien. Die damaligen Vorgänge sind heute noch ein Zankapfel zwischen Kroatien und Italien.

Seit 2005 gibt es im Hafen eine Meeresorgel. Durch die Meereswellen wird Luft in die Orgelpfeifen gepresst, wodurch je nach Wellengeschwindigkeit und Pfeifengröße verschiedene Töne erzeugt werden.

Um 14.30 hing mir der Magen an der Kniekehle. Also habe ich eine schöne Pleskavica gegessen, was mich mit Pommes und gemischtem Salat und Getränk 138 Kuna, also 19 € gekostet hat. Ich habe mich noch nie so abgezockt gefühlt wie in Kroatien in den touristischen Orten. Es war nicht verwunderlich, dass ich bei dieser Preisgestaltung sofort an venezianische Verhältnisse dachte, hatten doch die Kaufleute aus Venedig jahrhundertelang die Vorherrschaft über die Region. Die Preise in den Touristenorten sind also ca. dreimal so hoch wie in den normalen Regionen. Und das war entschieden zu viel. Die Überwachung, die Autobahngebühren und dann diese Preise: Nichts wie raus aus Kroatien. Am nächsten Tag lief die 7-Tages-Vignette in Slowenien aus.

Ich suchte mir nicht weit von Zadar den Campingplatz Zaton Holiday Resort aus, direkt am Meer und zusätzlichem Schwimmbad. Alles ganz mondän. Wie der Preis. 266,57 Kuna, also ca. 36 € hat mich der Spaß gekostet. Hier war im Benutzernamen für das Wi Fi die Standplatznummer enthalten, so dass es ganz einfach ist, die Internetaktivitäten dem Benutzer zuzuordnen.

Abends setzte dann der ganz normale touristische Wahnsinn ein mit Bespaßung der Kids. Die Stimme des Conferenciers schallte weithin über den Platz. Nachdem eine Kurzfassung des Musicals Mary Poppins die Ohren verätzte, wurde es aber ruhiger. Nach einigen Fotos von der Abenddämmerung habe ich mir den Zeh, an dem der Zehnagel schon hoch stand wegen öfterem Stauchen, noch einmal gestoßen. Es hat nicht nur weh getan, sondern es hat auch dementsprechend geblutet. Da ich die Blutung nicht gleich bemerkte, durfte ich noch meinen Teppich sauber machen, den ich vollgesaut hatte.

Anderntags kam Sturm auf. Starke Windböen fegten durch die Schluchten. Eine Bö riss mir auf einem Parkplatz die Wagentür aus der Hand. Aber so ein Daimler ist stabil, der kann so einen Schlag schon mal vertragen, anders als meine Hand. Ein BMX-Rad lag am Straßenrand. Der radfahrende Autofahrer wird sich verwundert die Augen gerieben haben, wo wohl sein Rad geblieben ist. Mein Daimler mit Superhochdach schwankte ganz schön. Nach einem langen Tunnel war der Sturm aber wie weggeblasen.

Ich wollte wieder auf den Campingplatz in Lesce, der mir gut gefallen hatte. Ich dachte mir, dass am nächsten Tag auf die letzten Meter wegen der dann ungültigen Vignette nichts mehr passieren sollte. Aber mein Navi, das bis jetzt einwandfrei funktioniert hatte, lotste mich in eine enge Sackgasse. Keine Wendemöglichkeit, wieder raus im Rückwartsgang. Ein schöner Kratzer am Auto ist dazu gekommen. Da ich jetzt dem Navi nicht mehr zutraute, den Platz zu finden, und ich auch nicht wusste, ob nicht doch noch eine Vignetten-Kontrolle kommt, bin ich einfach nach Österreich weiter gefahren. Starker Rückreiseverkehr am Samstag nachmittag, die Schulferien in Bayern gingen zu Ende, deshalb kilometerlanger Stau vor dem Karawanken-Tunnel. Wieder um 7,20 € leichter geworden. Der Tunnel liegt halb auf slowenischer und halb auf österreichischer Seite. So teilen sich die beiden Staaten die Einnahmen.

Den nächsten nicht mehr ganz so schlimmen Stau gab es dann vor dem Grenzübergang. Zum Abschluss des Tages habe ich im Faaker See in Kärnten beim Strandcamping Gruber gebadet. Der Mittagskogel schaute zu. Der Zufluss Worounitza verursacht das türkisblaue Aussehen des Sees durch die Zuführung feinster Kalkpartikel, die im Wasser schweben und das Licht türkisblau reflektieren.

Ich bin davon ausgegangen, dass meine österreichische 10-Tages-Vignette noch gültig wäre. War sie aber nicht. Das ist mir aber erst aufgefallen, als ich schon fast durch Österreich durch war. Also rauf auf die Tankstelle und nachgefragt, ob man Chancen hätte, auch ohne Vignette durchzukommen. Fifty-fifty war die Antwort. Die Kontrolle läuft auch über Kameras. Es war zwar Sonntag, aber das war mir dann doch zu gefährlich und so habe ich mir noch eine Vignette für 9,80 € gekauft. Wahrscheinlich wäre ich auch ohne durchgekommen, aber weiß man’s.

Zwischendurch runter von der Autobahn und in Kremsbrücke Rast gemacht auf eine Tankfüllung und einen Capuccino mit Apfelstrudel und Schlagobers. Über den drei Pinkelbecken im WC steht: Helfen Sie uns trennen – Bier – Schnaps – Wein.

Bei Schweinbach in Deutschland bin ich von der Autobahn abgefahren auf der Suche nach etwas Essbarem. Da es dort aber nichts gab, bin ich nach Bergen weiter und habe dort in einem Café eine schöne Erbsensuppe gegessen. Und dann fiel mir ein, dass mein Bruder ja vor kurzem in ein Bergen umgezogen ist. Nachdem ich mich auf der Landkarte orientiert hatte, wo ich mich überhaupt befinde, wurde mir klar, dass es genau dieses Bergen war. Es stand sogar schon ein Erdbeer-Kuchen auf dem Tisch, den meine Schwägerin in Erwartung eines Besuches gebacken hatte. Manchmal muss man auch Glück haben. Abends fuhren wir zum Essen nach Chieming an den Chiemsee und machten bei wunderschönem Wetter einen kleinen Spaziergang am See entlang. Die Landschaft ist super. Danach schloss sich noch eine Diskussion über Mensch und Gesellschaft an.

Am nächsten Tag schaffte ich es nur bis Saalburg-Ebersdorf in der Nähe von Schleiz. Es war wieder sehr heiß und ich war froh, dass ich mich im Bleilochstausee in die Fluten stürzen konnte. Der Campingplatz Kloster hat allerdings nichts, was Schatten Spenden könnte und so hat es einige Zeit gedauert bis mein blauer Sprinter etwas heruntergekühlt war.

Der Bleilochstausee, auch Thüringer Meer genannt, schlängelt sich 28 km zwischen Bergen und Hügeln durch. Der Name kommt von den Bleibergen, zwischen denen die Staumauer liegt. Sie wurde in den Jahren 1926-32 erbaut und zwar von sogenannten Notstandsarbeitern. Das war in der Weimarer Republik die Bezeichnung für die Verpflichtung von Arbeitslosen. Sie verdienten weniger als die „freien“ Arbeiter und verloren bei Verweigerung den Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung. So auch bei der Bleilochtalsperre. Die Notstandsarbeiter durften 10 bis 12 Stunden ackern, bekamen aber statt 70 nur 64 Pfennige pro Stunde. 1927 streikten 600 Arbeiter acht Tage lang und setzten eine Erhöhung des Stundenlohnes um 7 Pfennige durch. Durchschnittlich wurden rund 1.000 Notstandsarbeiter beim Bau der Bleilochtalsperre eingesetzt.

Am nächsten Morgen war ich früh auf. Ich musste allerdings bis 9 Uhr warten, bis jemand von der Rezeption kam und mir die Schranke aufmachte. Die Autobahn war sogar ziemlich frei und so ging es ohne weitere Zwischenfälle nach Hause.

 

2 Kommentare bei „2017 Wohnmobiltour nach Kroatien“

  1. Hallo Norbert, Danke für die Reiseberichte. Ohne Fotos sind sie etwas trocken. Das Hintergrundbild ist schön, schön orange, ich liebe die Farbe. Erinnert mich an Tapeten 😉

    1. Du hast schon recht. Die Fotos fehlen. Irgendwann werde ich auch das schaffen.

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