Volk – Nation – Monopolkapital

  1. Die Deutschen – ein bunt gemischtes Volk von Migranten

Besiedelt wurde das heutige deutsche Gebiet von Indogermanen, einem Hirtenvolk, das höchstwahrscheinlich aus der russischen Steppe kam. Das waren die ersten Einwanderer.

In der Zeit der sog. Völkerwanderung zogen ziemlich viele Volksstämme durch das heutige Deutschland. Aufgrund der zentralen Lage mussten sie ja hier durch. Da strömten und verdrängten sich gegenseitig die Vandalen, die Langobarden, die Goten, die Burgunder. Nicht zu vergessen die Hunnen. Da wanderten die Sachsen, die Franken, die Thüringer, die Alemannen ein und auch eine Menge Slawen. Dazu kamen römische Siedler aus Italien. Manche wurden sesshaft, manche zogen weiter. Aber alle hinterließen sie ihre Spuren auf deutschem Boden, genetisch und kulturell.

Und das war ja noch nicht alles. Im 17. Jahrhundert kamen die Schweden, durchstreiften Landknechtshorden, die aus allen europäischen Völkern zusammengesetzt waren, sengend, mordend und vergewaltigend die deutsche Lande.

Die tschechischen Hussiten kamen. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg gewährte den aus Österreich vertriebenen Juden Unterschlupf, rief holländische Handwerker ins Land und siedelte die französischen Hugenotten in Brandenburg an, was zu einem großen Aufschwung der Brandenburger Wirtschaft führte.

Napoleon zog mit seinem großen Heer durch deutsche Gebiete.

Die preußisch-österreichischen und die deutsch-französischen Kriege brachten wiederum fremde Soldaten in deutsche Gebiete. Und viele von denen hinterließen ihre Nachkommen hier.

Polen durften für die Kohle- und Stahlbarone die Kohlen aus dem Berg holen und damit die Hochöfen füttern, usw. usw.

Nach dem Weltkrieg II. hinterließen die Besatzungssoldaten ihre genetischen Spuren. Es waren schließlich die Frauen, die am schwersten an den Folgen der Kriege zu tragen und auszutragen hatten. Erst in den 90er-Jahren wurde das Abtreibungsverbot nach § 218 Strafgesetzbuch (StGB) in der Bundesrepublik gelockert.

Alle Einwanderer und Durchwanderer brachten ihre genetischen Unterschiede und ihre Kulturen mit. Manche Kulturen sind verschwunden, haben sich assimiliert, einige wenige sind noch in kleinem Maßstab erhalten geblieben.

D.h. Das deutsche Volk ist ein bunter Mix von vielen europäischen und außereuropäischen Völkern. Und diesem Völkergemisch eine natürliche Abwehrhaltung gegen Überfremdung zu unterstellen, ist einfach lächerlich, weil es dann ja eine Abwehrhaltung gegen sich selbst haben müsste.

Diese jetzt festzustellende Abwehrhaltung ist nur das Produkt der jahrhundertelangen, jetzt schon viele Generationen währenden nationalen Ab- und Ausgrenzung sowie der rassistischen Hasskampagnen von reaktionären und faschistischen Kräften.

Außerdem gibt es in jeder nationalen Kultur 2 Kulturen: die Kultur der Herrschenden und die Kultur der Beherrschten. Wenn man von einer Gefahr für die deutsche Kultur spricht, muss man erst mal klären, welche Kultur gemeint ist. Diejenigen, die von einer deutschen Hochkultur sprechen, meinen höchstwahrscheinlich die Kultur der Herrschenden.

Aber die besonders vom amerikanischen Kapitalismus produzierte barbarische, nivellierende, alle nationalen Kulturen auslöschende Kultur ist eine viel größere Gefahr für jegliche nationale Kultur als irgendeine von Migranten mitgebrachte Kultur. Das ist ja eine Kultur. Die vom Kapitalismus, besonders für die beherrschten Schichten produzierte Kultur ist keine mehr. Sie ist nur noch ein Leichentuch, das sich erstickend über alle Länder dieser Welt ausbreitet.

  1. Bildung der Nationalstaaten

Seit dem 15. Jahrhundert waren die feudalistischen Strukturen im Verfall begriffen. Es hatten sich überall Städte mit eigenem Recht und mit bewaffneter Bürgerschaft in die feudalen Gebiete eingenistet. Das Bürgertum brachte die Feudalherren gesellschaftlich, mit Hilfe des Geldes und hier und dort auch politisch in ihre Abhängigkeit. Die Bürger verlangten vom Feudaladel, dass sie die sinnlosen ununterbrochenen Fehden untereinander einstellen (selbst dann, wenn ein fremder Eindringling im Land stand, haben sie sich gegenseitig noch die Köpfe eingeschlagen).

Das aufstrebende Bürgertum brauchte für die Entwicklung der Produktivkräfte keine Kleinstaaterei mit vielen Zollschranken und immerwährenden gewaltsamen Auseinandersetzungen, es brauchte einen zentralisierten Staat und ein Recht, das keine willkürlichen Eingriffe in die Entwicklung von Handel und Produktion zuließ. Es benutzte die Nation zur Überwindung der Kleinstaaterei und als Identifikationsbegriff für den neu entstehenden Nationalstaat.

Und dabei bekamen die Bürger Unterstützung vom König. Denn auch der wollte mehr Macht gegenüber dem Feudaladel. Ein Grund, warum die Königshäuser in manchen Ländern noch so verhätschelt werden.

In Deutschland schmiedete Otto von Bismarck im 19. Jahrhundert die Nation mit Blut und Schwert zusammen. Das war in der damaligen Entwicklungsphase des Kapitalismus auch notwendig, damit sich die Produktivkräfte weiter entwickeln konnten.

Doch schon im 19. Jahrhundert gab es Bestrebungen, die damals hochentwickeltsten kapitalistischen Ländern, nämlich die europäischen Länder, zu vereinen. Schon damals machte es die enorme Entwicklung der Produktivkräfte notwendig, die schon wieder zu eng gewordenen Ländergrenzen zu überschreiten.

  1. Zeitalter des Monopolkapitalismus

Der freie Wettbewerb führte im Verlauf der kapitalistischen Entwicklung zur Bildung von größeren Konzernen, die schwächere Konkurrenten in einem ruinösen Konkurrenzkampf ausschalteten. Im weiteren Verlauf trafen diese Konzerne auf der einen Seite Preisabsprachen mit gleich starken Konkurrenten und auf der anderen Seite führten sie einen erbarmungslosen Kampf mit internationalen Konkurrenten um neue Rohstoffquellen und Absatzmärkte. Dieser Kampf allein war die Ursache für die beiden Weltkriege. Der freie Wettbewerb ist einem erbarmungslosen Konkurrenzkampf gewichen.

Das untereinander verflochtene Konglomerat an Monopolen, Oligopolen und Banken (Produktionsfirmen wie z.B. Autokonzerne betreiben Banken, Finanzinvestoren kaufen Produktionsfirmen usw.) nenne ich im weiteren das Finanzkapital. Die Entwicklung der Produktivkräfte hat schwindelnde Höhen erreicht. Um so dringender ist es heute für das europäische Finanzkapital, die nationalen Schranken nieder zu reißen. Die europäischen Nationalstaaten sind für das Finanzkapital überflüssig geworden. Es hätte gern in Europa eine Zentralisierung der Institutionen bis hin zur vollständigen Zentralisierung. Dabei schlägt ihnen aber eine heftige Gegenwehr des kleinen und mittleren Bürgertums entgegen.

Das Finanzkapital macht diesem Teil des Bürgertums mit ihrer Kapitalkraft und ihrer politischen Macht einen Großteil ihrer Profite streitig, nimmt ihnen ihren politischen Einfluss. Viele aus dieser Klasse laufen Gefahr, nicht nur in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, sondern alles zu verlieren. Es geht um ihre Existenz. Und jetzt holen diese Leute alles aus der ideologischen nationalen und nationalistischen Mottenkiste, was nur geht. Es wird der Patriotismus, das Vaterland und der Niedergang der alten Werte bemüht. Dahinter steckt immer wieder nur das eigene materielle Interesse. Diejenigen, die das nicht durchschauen, werden vor den eigenen egoistischen Karren gespannt.

Natürlich sind die europäischen Politiker Handlanger des europäischen Finanzkapitals. Natürlich haben sie kein Vaterland. Aber die Arbeiterklasse hat genau so wenig ein Vaterland. Für sie ist es ohne Interesse, in wessen Händen das Kapital liegt, durch das sie ausgebeutet werden. Ihr objektives Interesse ist es, die Ausbeutung und die Ausbeuter überhaupt abzuschaffen.

Ein Vaterland haben nur diejenigen, deren Väter auch tatsächlich Land besessen haben. Also die Junker und dann auch das Bürgertum, das zu Geld und Land gekommen ist.

Das europäische Finanzkapital will natürlich mit allen Mitteln verhindern, dass es eine Entwicklung zurück zu den Nationalstaaten gibt, was sich reaktionäre Parteien des Kleinbürgertums wie die AfD auf die Fahnen geschrieben haben. Ein zweites Brexit darf es für das Kapital nicht geben. Das Bindemittel ist in diesem Fall das Geld, das großzügig an kleinere Staaten verteilt wird. Aber auch in der ideologischen Sphäre wird gearbeitet. Am liebsten würde man eine europäische Nation mit den überzeugten Europäern aus der Taufe heben, was sich aber nicht so einfach durchsetzen lässt.

Der Weg zurück ist der falsche Weg. Wir müssen gemäß der Erkenntnis, dass sich die neue Gesellschaft im Schoß der alten Gesellschaft entwickelt, auf dem aufbauen, was ist. Wir müssen aus dem Europa des Finanzkapitals ein sozialistisches Europa machen, was aber nur ein Zwischenstadium sein kann auf dem Weg zu einer sozialistischen Welt. Der Kapitalismus in seinem jetzigen Stadium stellt die Mittel bereit, dass alle Menschen auf der Welt ein freies, gerechtes, aller Sorgen um die eigene Existenz enthobenes Leben führen können. Aber er selbst ist nicht in der Lage dazu, das auch durchzuführen, weil das System auf der privaten Aneignung des gesellschaftlich geschaffenen Reichtums beruht.

Es führt also kein Weg daran vorbei, dass die Werktätigen dieser Welt die enorm entwickelten Produktivkräfte in eigene Regie übernehmen müssen.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.